dominate your Dreams

LOW CARB - TO BE OR NOT TO BE

In der Diskussion mit einigen von euch musste ich feststellen, dass wir in der Ernährungsdiskussion oftmals aneinander vorbei reden, was nun wirklich Low Carb ist und was nicht.

Jürg Hösli

Teilen

LOW CARB - TO BE OR NOT TO BE

In der Diskussion mit einigen von euch musste ich feststellen, dass wir in der Ernährungsdiskussion oftmals aneinander vorbei reden, was nun wirklich Low Carb ist und was nicht. Darum möchte ich an dieser Stelle eine persönliche Definition liefern:


Kohlenhydrate sind nach dem Sauerstoff der wichtigste Betriebsstoff. Sie sind so wichtig, dass der Körper diese gelernt hat selber zu produzieren. Die Orte der Kohlenhydrat – Produktion sind hauptsächlich die Leber, zu einem gewissen Teil auch noch die Darmwand Zellen und die Niere. In der Leber werden Kohlenhydrate hauptsächlich aus Aminosäuren, aber auch aus Abbauprodukten aus dem Kohlenhydratstoffwechsel (Recycling aus Lactat im Corizyklus) oder dem Fettstoffwechsel gemacht.Zuerst mal ein bisschen Biochemie:

Zentral angewiesen auf Kohlenhydrate ist das Zentralnervensystem mit 5.5g pro Stunde und die Erythrozyten mit rund 1.5g pro Stunde. Der Körper hat für das Hirn als Energielieferant im extremen Hungerfall (eine sog. Kohlenhydrathungersnot) den Umweg über Ketonkörper gefunden, welche den essentiellen Kohlenhydratbedarf für das Hirn auf rund 1.5g pro Stunde drücken. Hier wird der wichtige Energiestoff Acetyl - CoA in ein Taxi (eben die Ketonkörper) verfrachtet und ins Hirn geschickt. Der Fettabbau in den Adipozyten (Fettzellen) liefert neben 3 freien Fettsäuren ebenfalls Glyzerin. Dieses kann ebenfalls in Kohlenhydrate in der Leber umgeformt werden und liefert rund 1g Kohlenhydrate pro Stunde. Aus der Rückführung der Milchsäure aus der Muskulatur, Erythrozyten usw. können ebenfalls wieder über den Corizyklus in der Leber, unter Aufwendung von viel Fettenergie, Kohlenhydrate hergestellt werden.

Wir sehen also, der Körper hat sehr viele Möglichkeiten, seine Kohlenhydrate selber herzustellen. Essen wir eine grössere Portion Fleisch, macht der Darm daraus Kohlenhydrate. Wir haben also keine absolute Kontrolle, wie viele Kohlenhydrate wir nun wirklich dem System zuführen, da das System sich eigentlich über uns hinwegsetzt.

Was hat es nun wirklich mit dem essentiellen Bedarf auf sich. Gehen wir davon aus, dass der Körper Energie aufwenden muss, um Kohlenhydrate herzustellen, dann könnten wir ketzerisch behaupten, dass erst im Wohlstand eine Fettreduktion wirklich zum Thema wird, der Körper jedoch mehr daran interessiert ist, seine Energien nicht zu verschwenden. Wir sehen in der Wissenschaft, wenn wir dem Körper zu wenige Kohlenhydrate geben, reagiert er mit Stress. Dieser Stress hat Auswirkungen auf Hunger, psychische Leistungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Säuren – Basen – Status des Menschen, Funktionalität des Körpers, auch der Libido des Mannes oder Empfängnisbereitschaft der Frau.

Mit dieser kurzen und übersichtsmässigen Zusammenfassung kommen wir der Definition des essentiellen Bedarfs des Körpers schon einen Schritt näher. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten eine Definition zu liefern:

• Die Puristen würden sagen: Es gibt keinen essentiellen Bedarf, da essentiell per Definition heisst, von aussen zugeführt und es muss keineswegs irgendein Gramm Kohlenhydrat von aussen zugeführt werden. Für diese Menschen wäre Low Carb also 0g.

• Die Emanzipierten unter euch denken, dass der Körper ohne zusätzlichen Abbau anderer Systeme, wie dies bei Stress geschieht, funktionieren sollte. Sie sagen: Sämtliche für die einzelnen Systeme des Körpers essentiellen Kohlenhydrate zähle ich zusammen. Mich interessiert nicht, was der Körper in der Kohlenhydrathungersnot selber machen kann, sondern was er tatsächlich braucht. Wenn ich 20 000.- für ein neues Auto brauche, will ich auch nicht noch ein halbes Jahr neben meinem täglichen Job auf der Strasse singen müssen, das behindert nur meine Regeneration. Für diese Menschen wäre Low Carb also ca. 130 – 150g

• Die Sophisten unter euch würden jetzt aber sagen: Was du sagst ist ja recht und gut, es gibt aber noch viele weitere Systeme, die zwingend für die Selbsterhaltung auf Kohlenhydrate angewiesen sind. Dazu gehören Glykoproteine, bei denen der Kohlenhydratanteil bisweilen sehr hoch sein kann. Auch wir denken wie die Emanzipierten, dass der Körper sich seine Energie nicht selber bauen sollte, wir gehen aber noch weiter. Ohne die Systeme, welche durch die Glykoproteine aufrechterhalten werden, kann kein Organismus optimal funktionieren, ebenfalls nicht ohne Pentosen, also Kohlenhydrate und Ausgangstoff des Baumaterials unserer DNA. Mich interessiert nicht nur der essentielle Bedarf der einzelnen Systeme wie beschrieben, sondern auch des Organismus an sich. Auch seine Kohlenhydratbaustoffe sollte er sich nicht selber bauen müssen. Diese Menschen würden Low Carb zwischen 150 bis 200g ansetzen.

• Der Stürmer und Dränger würde sagen: Was ihr sagt ist ja alles so etwas von konservativ, auch der Muskel will optimal funktionieren und er kann nie nur Fette verbrennen. Wir anerkennen eure Gedankengänge ja als richtig, aber ihr vergesst, dass jeder Mensch, sich jeden Tag bewegt. Tut er dies mehr, hat er normalerweise eine bessere Fettverbrennung, tut er dies weniger, eine schlechtere. Der Kohlenhydratverbrauch in der Muskulatur ist also, wenn wir nicht gerade Sport treiben oder körperlich hart arbeiten, etwa gleich. Der Muskel kann nicht nur von Fett „leben“ sondern verbrennt zwangsläufig auch Kohlenhydrate. Wenn er nun keine zugeführt bekommt, dann werden Aminosäuren verbrannt und diese führen zu einem Abbau des Systems. Wir wollen das ebenfalls vermeiden. Diese Gruppe würde den essentiellen Bedarf bei ca. 250g sehen.

Ich persönlich sehe mich als Stürmer und Dränger. Warum? Wir beobachten Blutwerte, Hormonstatus, Durchblutung, Katabolie (Abbau) der Muskulatur, Leistungsfähigkeit, psychische Belastung, Lungenfunktion und Körperfettverteilung seit längerer Zeit und sehen, wenn wir im Bereich Kohlenhydrate zu tief gehen, verschieben sich die Werte z.T. drastisch ins Negative. Bei Sport, harter Arbeit sollte die Menge natürlich zusätzlich noch bestimmt und ausgeglichen werden. Da dies jedoch von Person zu Person sehr stark schwankt, wäre es nicht gerade pragmatisch, wenn wir dies in eine Definition eines Ausdrucks einfliessen lassen würden, welcher die heutige Zeit so stark prägt.

Ich möchte vor allem Michael Bachmann und dem Forum Fitscination danken für die Diskussion, welche zu diesen Zeilen führte. Ich habe bemerkt, dass ich mich bisher nicht ausreichend klar ausgedrückt habe. Ich freue mich auf euer Feedback und Kritik, denn nur dadurch können wir lernen und vielleicht haben wir am Schluss eine einheitliche Definition, welche zu weniger Missverständnissen führt und zu einer stressloseren Kommunikation. Mit Begeisterung Jürg Hösli

Die Zeilen dürfen sehr gerne geteilt werden, denn ich würde gerne sehr viele in die Diskussion einladen.